Mehr als jeder zehnte Internetnutzer von Cyberkriminalität betroffen
Cyberkriminalität ist längst kein Randphänomen mehr. Sie betrifft Privatpersonen ebenso wie Unternehmen und kann nahezu jeden treffen, der E-Mails nutzt, online einkauft, soziale Netzwerke besucht oder Bankgeschäfte über das Internet erledigt. Die Angriffe erfolgen häufig unauffällig, professionell und mit Methoden, die auf den ersten Blick kaum von seriösen Angeboten oder Nachrichten zu unterscheiden sind.
Im E-Mail-Postfach warten täuschend echt gestaltete Nachrichten angeblicher Banken, Paketdienste, Onlinehändler oder Behörden. In sozialen Netzwerken geben sich Betrüger als bekannte Unternehmen, Freunde oder Familienmitglieder aus. Hinzu kommen gefälschte Onlineshops, manipulierte Zahlungsseiten, betrügerische Gewinnspiele und Schadprogramme, die über Links oder Anhänge auf Computer und Smartphones gelangen.
Bereits ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann erhebliche Folgen haben. Wer auf einen manipulierten Link klickt, persönliche Daten eingibt oder eine vermeintliche Rechnung bezahlt, riskiert finanzielle Verluste, den Diebstahl seiner Identität oder den vollständigen Verlust wichtiger Daten. Besonders problematisch ist, dass viele Angriffe erst spät bemerkt werden. In manchen Fällen vergehen Wochen oder Monate, bis Betroffene feststellen, dass ihre Zugangsdaten missbraucht, Verträge in ihrem Namen abgeschlossen oder persönliche Informationen im Internet veröffentlicht wurden.
Nach Angaben des „Cybersicherheitsmonitors 2026“, herausgegeben vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, waren im vergangenen Jahr 11 Prozent der Internetnutzer in Deutschland von Cyberkriminalität betroffen. Damit hat mehr als jeder zehnte Internetnutzer bereits selbst Erfahrungen mit Betrug, Datendiebstahl oder anderen digitalen Straftaten gemacht.
Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen. Viele Betroffene bringen Vorfälle nicht zur Anzeige, weil sie den Schaden zunächst als zu gering einschätzen, sich schämen oder davon ausgehen, dass die Täter ohnehin nicht ermittelt werden können. Andere bemerken den Angriff überhaupt nicht oder erkennen erst sehr spät, dass persönliche Daten gestohlen wurden. Experten gehen deshalb von einer erheblichen Dunkelziffer aus.
Besonders häufig treten Betrugsfälle im Zusammenhang mit gefälschten Onlineshops auf. Rund 22 Prozent der erfassten Fälle betreffen vermeintliche Einkäufe bei Anbietern, die tatsächlich nicht existieren oder keine Waren liefern. Die Internetseiten wirken häufig professionell, enthalten Produktbilder, Kundenbewertungen, Gütesiegel und scheinbar vollständige Kontaktdaten. Oft werden bekannte Markenprodukte zu besonders günstigen Preisen angeboten.
Nach der Bestellung und Bezahlung erhalten Käufer jedoch entweder gar keine Ware, minderwertige Produkte oder Fälschungen. Besonders kritisch sind Zahlungen per Vorkasse, Sofortüberweisung oder Kryptowährung, da das überwiesene Geld häufig nur schwer zurückgeholt werden kann. Auch die auf der Bestellseite eingegebenen persönlichen Daten können anschließend für weitere Straftaten genutzt oder im Internet weiterverkauft werden.
In 18 Prozent der registrierten Fälle wurden Daten entwendet oder zerstört. Dabei kann es sich um persönliche Dokumente, Fotos, Zugangsdaten, geschäftliche Unterlagen oder sensible Finanzinformationen handeln. Schadprogramme können Dateien verschlüsseln, löschen oder unbemerkt an Kriminelle übertragen. Besonders gefürchtet sind sogenannte Ransomware-Angriffe. Dabei werden Daten blockiert und erst gegen Zahlung eines Lösegeldes angeblich wieder freigegeben.
Doch selbst nach einer Zahlung ist keineswegs garantiert, dass die Daten tatsächlich wiederhergestellt werden. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass Kriminelle die Informationen weiterhin speichern, veröffentlichen oder erneut verwenden. Deshalb ist es besonders wichtig, regelmäßige Datensicherungen vorzunehmen und diese nicht dauerhaft mit dem betroffenen Gerät verbunden zu lassen.
Betrug beim Onlinebanking macht rund 13 Prozent der erfassten Cybercrime-Fälle aus. Täter versuchen beispielsweise, Zugangsdaten, TAN-Nummern oder Freigabecodes zu erlangen. Dies geschieht häufig über gefälschte E-Mails, SMS oder Telefonanrufe. Betroffene werden unter Zeitdruck gesetzt und dazu aufgefordert, angebliche Sicherheitsprüfungen durchzuführen oder verdächtige Buchungen zu bestätigen.
Die Betrüger arbeiten zunehmend professionell. Teilweise wird im Display des Telefons sogar die tatsächliche Rufnummer einer Bank angezeigt. Auch die Namen realer Bankmitarbeiter können verwendet werden. Wer Zugangsdaten oder Freigabecodes weitergibt, ermöglicht den Tätern unter Umständen den direkten Zugriff auf das Konto.
Phishing-Angriffe machen rund 12 Prozent der erfassten Fälle aus. Dabei versenden Kriminelle Nachrichten im Namen bekannter Unternehmen, Behörden oder Dienstleister. Die Empfänger werden beispielsweise aufgefordert, ihr Passwort zu bestätigen, eine angebliche Rechnung zu bezahlen oder ihre Zahlungsdaten zu aktualisieren.
Die Nachrichten enthalten meist Links zu gefälschten Internetseiten. Diese Seiten sehen den Originalseiten häufig täuschend ähnlich. Wer dort seine Zugangsdaten eingibt, übermittelt sie unmittelbar an die Täter. Auch schädliche Anhänge können Schadsoftware installieren, die Passwörter ausliest, Dateien verschlüsselt oder den Computer aus der Ferne kontrollierbar macht.
Identitätsdiebstahl betrifft etwa 10 Prozent der dokumentierten Fälle. Dabei nutzen Kriminelle persönliche Daten, um im Namen der Betroffenen Waren zu bestellen, Kreditverträge abzuschließen, Konten zu eröffnen oder gefälschte Profile anzulegen. Häufig erfahren die Betroffenen erst durch Mahnungen, Inkassoschreiben oder unbekannte Abbuchungen, dass ihre Identität missbraucht wurde.
Die Folgen können langwierig und belastend sein. Betroffene müssen nachweisen, dass sie die Bestellungen oder Verträge nicht selbst veranlasst haben. Zusätzlich kann es notwendig werden, Konten sperren zu lassen, Passwörter zu ändern, Strafanzeige zu erstatten und zahlreiche Unternehmen über den Identitätsmissbrauch zu informieren.
Eine wachsende Bedeutung haben auch sogenannte Deepfakes. Dabei werden mithilfe künstlicher Intelligenz Stimmen, Bilder oder Videos manipuliert. Rund 5 Prozent der Betroffenen von Cyberkriminalität berichteten bereits von entsprechenden Vorfällen. Besonders gefährlich sind täuschend echt nachgeahmte Stimmen.
So können Betrüger am Telefon vorgeben, ein Familienmitglied, ein Vorgesetzter oder ein Geschäftspartner zu sein. Sie behaupten beispielsweise, dringend Geld zu benötigen oder eine sofortige Überweisung veranlassen zu müssen. Durch die realistisch klingende Stimme wird zusätzlicher Druck aufgebaut. Auch manipulierte Videokonferenzen oder gefälschte Bildaufnahmen können eingesetzt werden.
Cyberkriminalität betrifft dabei keineswegs nur Menschen, die wenig Erfahrung mit digitalen Medien haben. Auch technisch versierte Nutzer können auf professionell gestaltete Angriffe hereinfallen. Viele Betrugsversuche nutzen gezielt Stress, Zeitdruck, Neugier oder Hilfsbereitschaft aus. Die Täter setzen weniger auf technische Schwachstellen als auf menschliche Reaktionen.
Ein wichtiger Schutz besteht deshalb in einem bewussten und vorsichtigen Verhalten. E-Mails und Nachrichten sollten kritisch geprüft werden, insbesondere wenn sie zu schnellen Zahlungen, Passwortänderungen oder der Preisgabe persönlicher Daten auffordern. Links in unerwarteten Nachrichten sollten möglichst nicht direkt angeklickt werden. Sicherer ist es, die bekannte Internetadresse des Unternehmens selbst in den Browser einzugeben.
Darüber hinaus sollten für verschiedene Internetdienste unterschiedliche Passwörter verwendet werden. Besonders empfehlenswert sind lange, komplexe Passwörter in Verbindung mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung. Dabei reicht das Passwort allein nicht aus. Zusätzlich wird beispielsweise ein Code über eine App oder ein separates Gerät benötigt.
Auch regelmäßige Softwareupdates sind wichtig. Veraltete Programme und Betriebssysteme können Sicherheitslücken enthalten, die von Kriminellen ausgenutzt werden. Antivirenprogramme, Firewalls und automatische Sicherheitsupdates bieten zwar keinen vollständigen Schutz, reduzieren das Risiko jedoch deutlich.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt sich ein Cyberangriff nicht vollständig ausschließen. Deshalb kann eine Cyberversicherung eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie ersetzt nicht die technische Absicherung und die persönliche Aufmerksamkeit, kann jedoch helfen, die finanziellen und organisatorischen Folgen eines Vorfalls zu begrenzen.
Je nach Tarif übernimmt eine Cyberversicherung beispielsweise finanzielle Schäden nach Onlinebetrug, Identitätsmissbrauch oder dem Diebstahl von Zahlungsdaten. Auch Kosten für die Wiederherstellung beschädigter oder gelöschter Daten können versichert sein. Bei einem Angriff auf Computer, Tablets oder Smartphones kann professionelle Unterstützung vermittelt werden.
Viele Tarife enthalten zudem Leistungen für die juristische Beratung und die Abwehr unberechtigter Forderungen. Dies kann insbesondere bei Identitätsdiebstahl wichtig sein. Wenn Kriminelle im Namen des Betroffenen Waren bestellen oder Verträge abschließen, müssen häufig Mahnungen, Inkassoforderungen oder negative Einträge abgewehrt werden.
Auch die Kosten für eine Datenrettung oder die Bereinigung infizierter Geräte können je nach Vertragsgestaltung übernommen werden. Einige Versicherer stellen spezielle Notfallhotlines zur Verfügung, über die Betroffene kurzfristig technische und rechtliche Unterstützung erhalten. Eine schnelle Reaktion kann entscheidend sein, um weitere Schäden zu verhindern.
Ein weiterer möglicher Bestandteil ist das sogenannte Darknet-Monitoring. Dabei wird überprüft, ob persönliche Daten, E-Mail-Adressen, Passwörter oder Zahlungsinformationen in kriminellen Netzwerken veröffentlicht oder zum Verkauf angeboten werden. Wird ein Treffer festgestellt, können Betroffene frühzeitig reagieren, Zugangsdaten ändern, Konten sperren oder Unternehmen informieren.
Bei der Auswahl einer Cyberversicherung sollten Verbraucher genau auf den Leistungsumfang achten. Nicht jeder Tarif deckt dieselben Risiken ab. Wichtig sind unter anderem ausreichend hohe Versicherungssummen, verständliche Ausschlüsse und klare Regelungen zur Schadenmeldung. Auch Selbstbeteiligungen und Wartezeiten sollten berücksichtigt werden.
Cyberrisiken betreffen längst nicht mehr nur große Unternehmen. Auch Privatpersonen, Familien, Selbstständige und kleine Betriebe sind attraktive Ziele für Kriminelle. Häufig sind gerade kleinere Haushalte und Unternehmen weniger gut abgesichert und verfügen nicht über eigene IT-Fachleute.
Umso wichtiger ist es, Prävention und Versicherungsschutz miteinander zu verbinden. Sichere Passwörter, regelmäßige Datensicherungen, aktuelle Software und ein vorsichtiger Umgang mit E-Mails bilden die Grundlage. Eine passende Cyberversicherung kann zusätzlich helfen, die finanziellen Folgen zu begrenzen und im Schadenfall schnell professionelle Unterstützung zu erhalten.
Wer seinen bestehenden Versicherungsschutz überprüfen lässt, kann feststellen, welche Cyberrisiken bereits abgesichert sind und wo noch Lücken bestehen. Denn klassische Hausrat-, Rechtsschutz- oder Haftpflichtversicherungen enthalten zwar teilweise einzelne Leistungen, bieten jedoch nicht immer einen umfassenden Schutz gegen digitale Gefahren.
Angesichts der zunehmenden Professionalisierung der Täter und der wachsenden Bedeutung künstlicher Intelligenz ist davon auszugehen, dass Cyberangriffe künftig noch schwerer zu erkennen sein werden. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit dem Thema zu beschäftigen und technische, organisatorische und versicherungsbezogene Schutzmaßnahmen sinnvoll zu kombinieren.
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Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich informativen Zwecken und ersetzt keine professionelle Beratung. Es wird empfohlen, individuelle Versicherungsbedürfnisse mit einem qualifizierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler wie z.B. „AMB Allfinanz Makler“ zu besprechen.
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