Exchange Traded Funds (ETFs) werden auch als Indexfonds bezeichnet, denn in der Regel entspricht ihre Zusammensetzung einem bestimmten Börsenindex wie DAX oder MSCI, auch wenn manche Anbieter noch nachjustieren. Da die Fondsselektion automatisch erfolgt und somit kein aktives Management nötig ist, punkten die ETFs mit schlanker Gebührenstruktur. Neben der meist breiten Streuung liegt darin der Hauptgrund für den Boom, den diese Fondsgattung seit einigen Jahren erlebt. Das Angebot an Indexfonds ist mittlerweile schier unüberschaubar geworden und wächst stetig weiter.

Wie sich dabei Grenzen ausloten lassen, zeigen nun zwei in den USA geplante ETFs: Beide wollen jeweils in eine einzige Aktie investieren, in einem Fall Samsung, im anderen Aramco – und werfen damit die Frage auf, wie dehnbar die ETF-Definition ist.

Doch was zunächst absurd anmutet, dient am Ende schlicht der Umgehung von Zugangsbeschränkungen. Die beiden im Fokus stehenden Konzerne sind nämlich nicht an US-Börsen notiert und deshalb schwierig zu bekommen. Ob das Modell vor der US-Börsenaufsicht SEC besteht und Schule macht, muss sich noch erweisen.

Die Frage, wann ein ETF tatsächlich ein ETF ist, gewinnt zunehmend an Bedeutung, da der Markt für börsengehandelte Produkte immer unübersichtlicher wird und die Grenzen zwischen klassischen ETFs, aktiven Fonds, Zertifikaten und hybriden Anlageformen für viele Anleger verschwimmen. Ursprünglich stand der Begriff ETF für ein klar definiertes Konzept: ein börsengehandelter Fonds, der einen Index möglichst exakt und passiv abbildet, transparent strukturiert ist und jederzeit während der Börsenhandelszeiten gehandelt werden kann.

Genau diese Eigenschaften machten ETFs für viele Anleger attraktiv, da sie eine kostengünstige, nachvollziehbare und breit diversifizierte Beteiligung an Märkten ermöglichen. Mit der wachsenden Nachfrage hat sich das Angebot jedoch stark ausgeweitet, und nicht jedes Produkt, das im Namen oder Marketing den Begriff ETF trägt, erfüllt automatisch alle klassischen Kriterien. Besonders bei sogenannten Smart-Beta-, Faktor- oder thematischen ETFs stellt sich die Frage, inwieweit noch von passiver Indexnachbildung gesprochen werden kann oder ob bereits aktive Elemente eine Rolle spielen.

Ein zentrales Merkmal eines echten ETFs bleibt die Indexgebundenheit. Der zugrunde liegende Index muss klar definiert, öffentlich nachvollziehbar und regelbasiert konstruiert sein. Anleger müssen jederzeit erkennen können, nach welchen Kriterien Werte aufgenommen, gewichtet oder ausgeschlossen werden. Sobald Ermessensentscheidungen eines Managements, diskretionäre Anpassungen oder intransparente Auswahlprozesse dominieren, entfernt sich das Produkt vom klassischen ETF-Gedanken.

Auch die Replikationsmethode ist entscheidend: Physisch replizierende ETFs kaufen die im Index enthaltenen Wertpapiere direkt, während synthetische ETFs den Index über Tauschgeschäfte abbilden. Beide Varianten gelten grundsätzlich als ETFs, unterscheiden sich jedoch in ihrer Struktur, ihrem Kontrahentenrisiko und ihrer Transparenz. Wichtig ist, dass die Abbildung des Index nachvollziehbar bleibt und Anleger die Funktionsweise verstehen können. Produkte, die lediglich eine Wertentwicklung nachbilden, ohne Fondsstatus zu besitzen oder ohne Sondervermögen konstruiert zu sein, erfüllen diese Voraussetzung nicht.

Darüber hinaus spielt die rechtliche Struktur eine wesentliche Rolle. Ein ETF ist ein Investmentfonds und unterliegt klaren regulatorischen Vorgaben, insbesondere hinsichtlich Anlegerschutz, Transparenz, Trennung von Fonds- und Emittentenvermögen sowie laufender Berichterstattung. Diese Eigenschaften unterscheiden ETFs deutlich von Zertifikaten oder strukturierten Produkten, bei denen Anleger ein Emittentenrisiko tragen. Gerade in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit wird dieser Unterschied relevant, da ETFs als Sondervermögen gelten und im Insolvenzfall des Anbieters geschützt sind.

Auch die tägliche Handelbarkeit und die enge Kopplung zwischen Fondsvermögen und Börsenkurs gehören zu den Kernmerkmalen. Mechanismen wie Creation und Redemption sorgen dafür, dass der Börsenpreis eines ETFs in der Regel nahe am Nettoinventarwert bleibt und keine dauerhaften Preisverzerrungen entstehen. Fehlen diese Mechanismen oder sind sie eingeschränkt, handelt es sich streng genommen nicht um einen klassischen ETF.

Mit der zunehmenden Produktvielfalt wächst zugleich die Verantwortung der Anleger, genauer hinzuschauen. Themen-ETFs, Nachhaltigkeits-ETFs oder Faktorstrategien können sinnvolle Bausteine sein, unterscheiden sich jedoch deutlich in Risiko, Kosten und Struktur. Manche Produkte kombinieren indexbasierte Elemente mit aktiven Steuerungsmechanismen oder nutzen sehr enge, eigens konstruierte Indizes, die faktisch eine aktive Strategie abbilden.

Solche Konstruktionen sind nicht per se problematisch, sollten aber nicht mit klassischen, breit gestreuten ETFs gleichgesetzt werden. Wer ETFs als Basisinvestment nutzt, erwartet in der Regel maximale Transparenz, geringe Kosten, breite Diversifikation und eine langfristige Ausrichtung. Ob ein Produkt diesen Anspruch erfüllt, entscheidet sich nicht am Namen, sondern an Struktur, Methodik und regulatorischem Rahmen.

Insgesamt zeigt sich, dass ein ETF dann ein ETF ist, wenn er die Grundprinzipien der passiven, regelbasierten Indexabbildung, der rechtlichen Fondsstruktur und der transparenten Handelbarkeit erfüllt. In einem Markt mit immer neuen Produktvarianten wird diese Abgrenzung wichtiger denn je, damit Anleger fundierte Entscheidungen treffen und ihre Investments klar einordnen können.