Von einer Verzehnfachung der Anfragenzahl im ersten Halbjahr 2022 gegenüber dem Vorjahreszeitraum berichtet aktuell eine große Immobilien-Teilverkaufsbörse. Die Gründe für einen solchen Veräußerungswunsch lägen primär in der Ablösung von Krediten oder Hypotheken, aber bei vielen Eigenheimbesitzern sei auch der Wunsch nach einer Weltreise, einem schicken Wohnmobil oder einer eigenen Ferienimmobilie ausschlaggebend.

Ein Teilverkauf ermöglicht es, sofort Geld für die eigene Immobilie zu erhalten, ohne die Rechte daran aufgeben zu müssen. Bis zu 50 Prozent des Objekts werden veräußert, es kann aber weiterhin bewohnt oder auch vermietet und schließlich vererbt werden. Ebenso ist ein späterer Weiterverkauf gemeinsam mit dem neuen Teileigentümer möglich. Besonders im Norden Deutschlands findet dieses Modell viele Interessenten – in Schleswig-Holstein sogar doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Die Käufer sind im Schnitt 65 Jahre alt und erlösen knapp unter 200.000 Euro mit dem Teilverkauf.

Das Modell des Immobilien-Teilverkaufs erlebt seit einiger Zeit eine bemerkenswerte Dynamik, die weit über kurzfristige Marktbewegungen hinausgeht. Die steigende Nachfrage lässt erkennen, dass sich viele ältere Eigentümer intensiv mit ihrer finanziellen Situation auseinandersetzen – insbesondere in Zeiten steigender Lebenshaltungskosten, höherer Energiepreise und unsicherer Kapitalmärkte. Während früher oft ein kompletter Immobilienverkauf oder ein klassisches Darlehen als einzige Option erschien, bietet der Teilverkauf eine flexible Möglichkeit, im Alter Liquidität zu schaffen, ohne das Zuhause aufgeben zu müssen.

Für viele Betroffene handelt es sich um eine emotionale Entscheidung. Die eigenen vier Wände sind nicht nur Vermögenswert, sondern auch Lebensraum, Erinnerungsort und oft ein wesentlicher Bestandteil der Altersplanung. Die Vorstellung, das Haus vollständig zu verkaufen oder sich zu verschulden, erscheint vielen unattraktiv. Der Teilverkauf bietet einen Mittelweg: Er ermöglicht finanzielle Freiheit und Handlungsspielraum, ohne das vertraute Umfeld verlassen zu müssen. Dies ist besonders relevant für Menschen, deren Vermögen überwiegend in der Immobilie gebunden ist – ein weit verbreitetes Phänomen in Deutschland.

Der signifikante Anstieg der Anfragen deutet auch darauf hin, dass immer mehr Menschen diese Option aktiv als Gestaltungselement ihrer Ruhestandsplanung betrachten. Viele möchten sich im Alter etwas gönnen, größere Wünsche erfüllen oder eine notwendige Modernisierung finanzieren, etwa energetische Sanierungen, die zunehmend wichtiger werden. Andere nutzen das freiwerdende Kapital, um Angehörige zu unterstützen oder sich gegen mögliche Pflegekosten abzusichern. Damit wird der Teilverkauf zu einem Instrument, das sowohl finanzielle Flexibilität als auch persönliche Lebensziele miteinander verbindet.

Gleichzeitig ist das Modell nicht frei von Risiken und sollte daher genau verstanden werden. Der neue Teileigentümer erhält ein langfristiges Nutzungsentgelt für den erworbenen Anteil – eine Art Miete für den nicht verkauften Wohnwert. Diese laufende Zahlung kann langfristig eine Belastung darstellen, weshalb eine sorgfältige Beratung unerlässlich ist. Auch die Wertentwicklung der Immobilie spielt eine Rolle: Steigt der Marktwert, profitieren beide Eigentümer proportional; sinkt er, kann dies bei einem späteren Gesamtverkauf den Erlös mindern.

Ein weiterer Aspekt betrifft die rechtliche Ausgestaltung. Teilverkäufe erfordern eine notarielle Beurkundung und klare vertragliche Regelungen, damit sowohl die Nutzungsrechte als auch die Pflichten transparent festgelegt sind. Dazu zählen etwa Instandhaltungsregelungen, Kostenbeteiligungen, Versicherungsfragen und die Abwicklung im Todesfall des Eigentümers. Seriöse Anbieter legen großen Wert auf Transparenz, doch wie in jeder jungen Branche gibt es auch hier Qualitätsunterschiede. Verbraucherzentralen empfehlen, verschiedene Angebote zu vergleichen und im Zweifel unabhängigen Rat einzuholen.

Der regionale Schwerpunkt im Norden Deutschlands wirft ebenfalls interessante Fragen auf. Schleswig-Holstein gilt als besonders immobilienstarkes Bundesland mit vielen Eigenheimbesitzern älterer Jahrgänge. Zudem ist das Immobilienpreisniveau in vielen Regionen moderat, sodass zahlreiche Eigentümer über attraktive stille Reserven verfügen, die sie nun teilweise heben möchten. Die Tatsache, dass das Interesse dort doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt, deutet auf einen starken Trend zur liquiden Vermögensnutzung im Ruhestand hin.

Im Durchschnitt erzielen Verkäufer knapp 200.000 Euro – ein Betrag, der für viele ein neues Maß an finanzieller Freiheit ermöglicht. Damit lassen sich nicht nur Konsumwünsche erfüllen, sondern auch sicherheitsrelevante Entscheidungen treffen, etwa Rücklagen für Gesundheit, Pflege oder Modernisierung. Dieser Aspekt gewinnt an Bedeutung, da ältere Immobilien oft energetisch saniert werden müssen und die entsprechenden Kosten erheblich sein können.

Betrachtet man die demografische Entwicklung, ist davon auszugehen, dass das Modell weiter an Bedeutung gewinnt. Die Babyboomer-Generation tritt zunehmend in den Ruhestand ein, und viele von ihnen verfügen über hohe Immobilienwerte, aber begrenzte Liquidität. Der Teilverkauf kann hier ein strategisch sinnvolles Instrument sein, um Vermögenswerte nutzbar zu machen, ohne auf Lebensqualität verzichten zu müssen.

Insgesamt zeigt die aktuelle Entwicklung, dass der Teilverkauf eine Lücke im Markt schließt und ein wachsendes Bedürfnis adressiert: finanzielle Freiheit im Alter bei gleichzeitiger Wahrung der Wohnsicherheit. Mit zunehmender Marktreife dürfte das Angebot transparenter, regulierter und vielfältiger werden – ein Vorteil für Verbraucher, die nach maßgeschneiderten Lösungen suchen.