Finanzaufsicht sieht Risikoeinstufung offener Immobilienfonds kritisch

Über Jahrzehnte galten offene Immobilienfonds als vergleichsweise stabile Ergänzung im Portfolio. Sie versprachen moderate Erträge bei überschaubaren Schwankungen und galten vielen Anlegern als sicherheitsorientierte Sachwertlösung. Dieses Image ist jedoch ins Wanken geraten. Steigende Zinsen und strukturelle Veränderungen im Gewerbeimmobilienmarkt haben die Branche spürbar unter Druck gesetzt.

Höhere Finanzierungskosten belasten Projektentwicklungen und wirken sich auf Bewertungen aus. Gleichzeitig verändern sich Nutzungsgewohnheiten, etwa durch den anhaltenden Trend zum Homeoffice im Bürosegment. Einzelhandelsimmobilien stehen ebenfalls vor Herausforderungen durch den Onlinehandel. Diese Faktoren drücken auf Renditeaussichten und Marktwerte.

Anleger reagieren zunehmend sensibel auf diese Entwicklungen. Seit Januar 2025 wurden netto mehr als zehn Milliarden Euro aus offenen Immobilienfonds abgezogen. Zwei Fonds sahen sich bereits gezwungen, die Rücknahme von Anteilen vorübergehend auszusetzen. Solche Maßnahmen sollen Liquiditätsengpässe verhindern und Notverkäufe unter Marktwert vermeiden, sorgen jedoch für zusätzliche Verunsicherung.

In dieses ohnehin angespannte Umfeld fällt die kritische Einordnung durch die Finanzaufsicht. Der Präsident der BaFin bemängelte in einem Interview einen häufig vertriebsgetriebenen Verkauf der Produkte. Offene Immobilienfonds würden vor allem über Banken und Sparkassen platziert. Dabei stehe nicht immer die individuelle Risikostruktur des Anlegers im Vordergrund.

Kritisch gesehen wird auch die häufige Einstufung in niedrige Risikoklassen. Zwar unterliegen OIFs strengen regulatorischen Vorgaben, dennoch sind sie Marktschwankungen ausgesetzt. Bewertungen können sich ändern, und Liquiditätsrisiken sind in Stressphasen real. Eine pauschale Einordnung als nahezu risikofrei greift daher zu kurz.

Hinzu kommt die Komplexität der Beratungsdokumentation. Umfangreiche Protokolle sollen Transparenz schaffen, sind jedoch für viele Anleger schwer verständlich. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen formaler Regulierung und tatsächlicher Informationsqualität. Offene Immobilienfonds bleiben damit eine interessante, aber keineswegs risikolose Anlageform, deren Chancen und Risiken sorgfältig abgewogen werden sollten.

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Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich informativen Zwecken und ersetzt keine professionelle Beratung. Es wird empfohlen, individuelle Versicherungsbedürfnisse mit einem qualifizierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler wie z.B. „AMB Allfinanz Makler“ zu besprechen.