Ein Direktversicherer hat 850.000 Datensätze zu Kfz-Schadensfällen aus dem vergangenen Jahr im Hinblick auf die Sternzeichen der Versicherten ausgewertet. Fazit der „Studie“: Zwillinge haben die höchste Unfallwahrscheinlichkeit, gefolgt von Jungfrauen und Löwen. Die sichersten Fahrzeugführer sind hingegen Schützen, Skorpione und Waagen.

Wie stark sich die Unfallhäufigkeiten unterscheiden, wird in der begleitenden Pressemitteilung nicht mitgeteilt. Eine Tendenz zeigen aber die Schadenssummen: Knapp 20 Millionen Euro gingen auf das Konto von Zwillings-Fahrern. Am anderen Ende verursachten die Schützen circa 16 Millionen Euro an Schäden beim Direktversicherer.

Wie ernst gemeint diese Untersuchung ist, bleibt ungesagt. Schon im letzten Jahr gab es eine derartige Analyse, bei der sich ebenfalls die Zwillinge als die offensivsten und die Schützen als die vorbildlichsten Fahrzeugführer entpuppten. Beitragserhöhungen für die eher schadensträchtig fahrenden Sternzeichen seien indes nicht geplant.

Die ungewöhnliche Studie sorgt zweifellos für Aufmerksamkeit – nicht zuletzt, weil sie sich mit einem Thema beschäftigt, das traditionell mehr mit Unterhaltung als mit Versicherungsmathematik verbunden wird. Dennoch zeigt die Veröffentlichung, wie kreativ manche Versicherer inzwischen bei der Präsentation ihrer Daten vorgehen, um mediale Reichweite zu erzielen und Verbraucher auf humorvolle Weise anzusprechen. Auch wenn Sternzeichen keinen wissenschaftlich belegten Einfluss auf das Fahrverhalten haben, bietet die statistische Einordnung eine amüsante Möglichkeit, große Datenmengen aus dem Schadenbereich öffentlichkeitswirksam aufzubereiten.

Gleichzeitig lenkt die Analyse den Blick auf die tatsächlichen Faktoren, die Einfluss auf das Unfallrisiko haben. So spielen beispielsweise Fahrpraxis, Alter, Fahrzeugtyp, individuelle Risikobereitschaft oder regionale Besonderheiten eine Rolle. Dass die Schadenssummen zwischen den Sternzeichen um mehrere Millionen Euro differieren, ist daher eher Ausdruck der jeweiligen Verteilung der Geburtsmonate innerhalb des Versichertenbestands sowie der unterschiedlichen Anzahl der Verträge – nicht Ausdruck einer kosmischen Lenkwirkung. Für Versicherungsexperten ist klar: Horoskope haben im Risikomodell nichts verloren.

Interessant ist jedoch die psychologische Komponente solcher Veröffentlichungen. Viele Menschen identifizieren sich stark mit ihrem Sternzeichen und nehmen entsprechende Charakterzuschreibungen humorvoll, aber interessiert zur Kenntnis. Wenn ein Versicherer auf dieser Basis Kommunikationsimpulse setzt, erzeugt das hohe Aufmerksamkeit, ohne dabei in komplexe Versicherungsthemen einzusteigen. Die Medien greifen solche Inhalte gern auf, da sie unterhaltsam und leicht verständlich sind. Für Versicherer ergibt sich daraus ein Imagegewinn – sie wirken nahbar, modern und kommunikativ kreativ.

Wissenschaftlich betrachtet sind die Ergebnisse erwartungsgemäß nicht belastbar. Der Versicherer selbst vermeidet klare Aussagen über die Aussagekraft der Studie und verweist weder auf Signifikanzwerte noch auf Bereinigungen hinsichtlich Altersstruktur, Fahrleistung oder Tarifmerkmalen. Die bloße Korrelation zwischen Sternzeichen und Schadenssumme ist statistisch wertlos, solange sie nicht um relevante Störfaktoren bereinigt wurde. Dass die Gruppe der Zwillinge höhere Schadenskosten verursacht hat, könnte unter anderem daran liegen, dass sie im Versichertenkollektiv überdurchschnittlich häufig vertreten sind oder häufiger Fahrzeuge fahren, die bei Unfällen höhere Reparaturkosten verursachen.

Aus versicherungstechnischer Sicht bleibt es daher bei der Feststellung, dass die Analyse ein kommunikatives Experiment ist – kein Baustein aktuarieller Risikobewertung. Moderne Tarife berücksichtigen ausschließlich nachweislich risikorelevante Merkmale wie Schadenshistorie, Fahrzeugtyp, Regionalklasse oder individuelle Fahrdaten. Sterne am Himmel spielen dabei keinerlei Rolle und werden dies auch zukünftig nicht tun.

Trotzdem erfüllen derartige Studien einen Zweck: Sie regen dazu an, sich mit dem Thema Versicherungsschutz auseinanderzusetzen und fördern das Bewusstsein für unterschiedliche Risikoprofile. Wer sich selbst – Schütze oder Zwilling – in der Statistik erkennt, nutzt den Anlass vielleicht, um den eigenen Versicherungsschutz zu überprüfen, besondere Tarifmerkmale zu vergleichen oder die Bedeutung sicherer Fahrweise in Erinnerung zu rufen.

Nicht zuletzt zeigt die wiederholte Durchführung der Studie, dass der Versicherer damit einen gewissen Unterhaltungswert geschaffen hat. Die humorvolle Herangehensweise an ein ansonsten nüchternes Thema schafft Sympathiepunkte, ohne dabei die Seriosität des eigenen Kerngeschäfts infrage zu stellen. In diesem Spannungsfeld zwischen Information und Unterhaltung liegt die eigentliche Stärke solcher Analysen.