Riester-Reform: Wann sich ein Wechsel in das neue Fördersystem lohnt – und wann nicht

Mit der geplanten Reform der staatlich geförderten Altersvorsorge soll ein neues Fördersystem eingeführt werden, das langfristig mehr Flexibilität und bessere Renditechancen bieten soll. Gleichzeitig erhalten Millionen Riester-Sparer die Möglichkeit, ihre bestehende Altersvorsorge in das neue System zu übertragen. Doch genau diese Entscheidung sollte gut überlegt sein. Denn wer seinen Riester-Vertrag einmal aufgibt und in das neue Modell wechselt, kann später nicht mehr zurückkehren.

Für viele Sparer dürfte deshalb nicht automatisch das neue Angebot die bessere Wahl sein. Vielmehr kommt es auf den individuellen Vertrag, das Alter, die persönliche Familiensituation und den verbleibenden Anlagehorizont an.

 

Bestandsschutz bietet wichtige Vorteile

Ein wesentlicher Bestandteil der Reform ist der Bestandsschutz für bestehende Riester-Verträge. Bereits abgeschlossene Verträge bleiben grundsätzlich unverändert bestehen und können bis zum Rentenbeginn weitergeführt werden.

Das bedeutet, dass alle bisher zugesagten Garantien sowie die vereinbarten Vertragsbedingungen erhalten bleiben. Gerade ältere Verträge verfügen häufig über Garantiezinsen, die heute am Kapitalmarkt kaum noch erreichbar sind. Diese garantierten Verzinsungen können langfristig einen erheblichen finanziellen Vorteil darstellen.

Wer vorschnell in das neue Fördersystem wechselt, verzichtet möglicherweise dauerhaft auf diese attraktiven Vertragsbestandteile.

 

Ältere Verträge profitieren oft von hohen Garantiezinsen

Vor allem Riester-Verträge, die vor vielen Jahren abgeschlossen wurden, enthalten häufig Garantiezinsen, die deutlich über dem heutigen Marktniveau liegen. In Zeiten dauerhaft niedriger Kapitalmarktzinsen stellten diese Garantien einen erheblichen Wert dar und können auch künftig einen wichtigen Beitrag zur Planungssicherheit leisten.

Für viele Vertragsinhaber bilden diese garantierten Leistungen einen wesentlichen Bestandteil ihrer Altersvorsorge. Ein Wechsel sollte deshalb nur erfolgen, wenn die Vorteile des neuen Systems die bestehenden Garantien tatsächlich überwiegen.

 

Familien profitieren weiterhin besonders

Riester gehört nach wie vor zu den Altersvorsorgeformen mit einer besonders umfangreichen staatlichen Förderung für Familien. Neben den Grundzulagen erhalten Eltern zusätzliche Kinderzulagen, die insbesondere bei mehreren Kindern einen erheblichen Teil der jährlichen Sparleistung ausmachen können.

Gerade Haushalte mit niedrigem oder mittlerem Einkommen profitieren häufig überdurchschnittlich von dieser Förderung. In vielen Fällen übersteigen die staatlichen Zulagen sogar den eigenen Sparbeitrag deutlich.

Für diese Personengruppen kann der bestehende Riester-Vertrag deshalb auch künftig wirtschaftlich sehr attraktiv bleiben.

 

Kurz vor dem Ruhestand lohnt ein Wechsel selten

Je näher der Renteneintritt rückt, desto sorgfältiger sollte ein Wechsel geprüft werden. Wer nur noch wenige Jahre bis zur Rente vor sich hat, verfügt kaum noch über ausreichend Zeit, mögliche Kursschwankungen an den Kapitalmärkten auszugleichen.

Gerade in der Schlussphase der Ansparzeit spielen garantierte Leistungen eine wichtige Rolle. Ein Wechsel in ein stärker kapitalmarktorientiertes System könnte in dieser Lebensphase sogar zusätzliche Risiken mit sich bringen.

Für viele ältere Sparer dürfte daher die Fortführung des bestehenden Vertrags die sinnvollere Lösung sein.

 

Jüngere Anleger erhalten mehr Renditechancen

Anders stellt sich die Situation für jüngere Sparer dar. Wer noch mehrere Jahrzehnte bis zum Renteneintritt vor sich hat, kann von den langfristigen Ertragschancen der Kapitalmärkte stärker profitieren.

Das neue Fördersystem soll nach den bisherigen Planungen deutlich mehr Freiheiten bei der Kapitalanlage ermöglichen. Dadurch könnten höhere Aktienquoten und eine stärkere Beteiligung an internationalen Kapitalmärkten langfristig bessere Renditen ermöglichen als klassische Garantiekonzepte.

Gleichzeitig müssen Anleger bereit sein, größere Wertschwankungen während der Ansparphase zu akzeptieren.

 

Individuelle Situation entscheidet

Ob ein Wechsel sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind zahlreiche persönliche Faktoren.

Hierzu gehören unter anderem:

Erst die Gesamtschau aller Faktoren ermöglicht eine fundierte Entscheidung.

 

Altersvorsorge ganzheitlich betrachten

Die Riester-Rente sollte grundsätzlich nicht isoliert betrachtet werden. Für eine solide Altersvorsorge spielen auch weitere Bausteine eine wichtige Rolle. Dazu gehören beispielsweise die gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersversorgung, private Rentenversicherungen, Investmentfonds, ETF-Sparpläne, Immobilien oder andere Vermögenswerte.

Eine ausgewogene Kombination verschiedener Vorsorgelösungen kann dazu beitragen, Risiken zu streuen und die finanzielle Versorgung im Ruhestand langfristig zu sichern.

 

Unabhängige Beratung schafft Klarheit

Die geplante Reform eröffnet neue Möglichkeiten, macht die Entscheidung für Verbraucher aber auch komplexer. Da ein Wechsel endgültig ist und eine Rückkehr in das bisherige Riester-System nicht vorgesehen ist, sollte die Entscheidung keinesfalls allein aufgrund allgemeiner Empfehlungen getroffen werden.

Eine unabhängige Beratung kann helfen, den bestehenden Vertrag mit den Möglichkeiten des neuen Fördersystems objektiv zu vergleichen. Dabei werden sowohl die bisherigen Garantien als auch die persönlichen Lebensumstände berücksichtigt.

Für viele Sparer wird sich zeigen, dass der bestehende Riester-Vertrag weiterhin eine solide Grundlage der Altersvorsorge bildet. Andere können hingegen von den erweiterten Kapitalmarktchancen des neuen Systems profitieren. Welche Lösung die bessere ist, hängt letztlich immer von der individuellen Situation ab und sollte sorgfältig geprüft werden.

 

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Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich informativen Zwecken und ersetzt keine professionelle Beratung. Es wird empfohlen, individuelle Versicherungsbedürfnisse mit einem qualifizierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler wie z.B. „AMB Allfinanz Makler“ zu besprechen.