Mieten haben ihre Schmerzgrenze erreicht

Gemessen an den aktuellen Angebotspreisen auf großen Immobilienportalen hat sich der Anstieg der Mieten im dritten Quartal spürbar verlangsamt. Unter Berücksichtigung der Inflation lässt sich sogar von einem faktischen Stillstand sprechen. Nominal erhöhten sich die aufgerufenen Mieten für unmöblierte Wohnungen gegenüber dem Vorquartal lediglich um 0,5 Prozent.

Zu diesem Ergebnis kommt das Kiel Institut für Weltwirtschaft nach Auswertung von Online-Inseraten in 37 Städten und Regionen. Im zweiten Quartal hatte die Steigerungsrate noch bei 0,7 Prozent gelegen, sodass sich eine erkennbare Abschwächung der Dynamik zeigt.

Für Sie als Mieter oder Vermieter ist diese Entwicklung ein wichtiges Signal. Nach mehreren Jahren mit teils kräftigen Mietsteigerungen deutet sich nun eine Phase geringerer Bewegung an. Inflationsbereinigt ergibt sich sogar eine weitgehende Stabilisierung. Das bedeutet, dass die reale Belastung durch steigende Angebotsmieten aktuell nicht weiter zunimmt, auch wenn das Niveau vielerorts bereits hoch ist.

Innerhalb der untersuchten Großstädte zeigen sich allerdings unterschiedliche Tendenzen. Die stärkste Verteuerung wurde im dritten Quartal in Leipzig registriert. Dort stiegen die Angebotsmieten um 1,1 Prozent. Düsseldorf folgt mit einem Plus von 0,7 Prozent. Beide Städte bewegen sich im Mietniveau noch unterhalb von Metropolen wie Hamburg oder Berlin, die in den vergangenen Jahren besonders stark im Fokus standen

In Hamburg gingen die Angebotsmieten im betrachteten Zeitraum um 0,2 Prozent zurück, in Berlin um 0,3 Prozent. Diese leichten Rückgänge deuten darauf hin, dass selbst in angespannten Wohnungsmärkten eine gewisse Sättigung einsetzt.

Jonas Zdrzalek, Projektleiter am Kiel Institut, fasst die Entwicklung dahingehend zusammen, dass sich die Preisdynamik am Mietmarkt nach den starken Anstiegen der vergangenen Jahre deutlich abgekühlt habe. Für Sie als Marktteilnehmer könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass sich Angebot und Zahlungsbereitschaft allmählich in ein neues Gleichgewicht einpendeln. Trotz weiterhin hoher Nachfrage scheint vielerorts eine Grenze erreicht, was Mieter wirtschaftlich tragen können oder wollen.

Diese Beobachtung ist ökonomisch nachvollziehbar. Mietpreise können langfristig nur in dem Maß steigen, in dem Einkommen und Kaufkraft mithalten. Wenn die Belastungsgrenze überschritten wird, reagieren Haushalte mit kleineren Wohnflächen, Standortwechseln oder einer Verlängerung bestehender Mietverhältnisse. Auch Investoren und Projektentwickler beobachten solche Signale genau, da sie Rückschlüsse auf zukünftige Renditeerwartungen zulassen.

Für Sie als Eigentümer kann die aktuelle Entwicklung bedeuten, dass Neuvermietungen weniger stark von weiteren Aufschlägen profitieren als in den Vorjahren. Eine realistische Preisgestaltung gewinnt damit an Bedeutung, um Leerstandszeiten zu vermeiden. Wenn Sie hingegen auf der Mieterseite stehen, eröffnet die Abkühlung zumindest eine gewisse Verhandlungsperspektive, insbesondere in Märkten mit stagnierenden oder leicht rückläufigen Angebotsmieten.

Insgesamt zeigt die Analyse des Kiel Instituts, dass der Mietmarkt zwar weiterhin auf einem hohen Niveau verharrt, die zuvor ausgeprägte Aufwärtsdynamik jedoch deutlich nachgelassen hat. Ob sich daraus eine längerfristige Stabilisierung entwickelt oder lediglich eine Zwischenphase entsteht, hängt maßgeblich von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung, dem Wohnungsangebot und der Einkommenssituation ab.

Für Sie empfiehlt es sich daher, regionale Unterschiede genau zu betrachten und Entscheidungen nicht allein auf bundesweite Durchschnittswerte zu stützen. Eine Investition in Immobilienwerte ist aber nach wie vor eine der rentabelsten und sichersten Entscheidungen.

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Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich informativen Zwecken und ersetzt keine professionelle Beratung. Es wird empfohlen, individuelle Versicherungsbedürfnisse mit einem qualifizierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler wie z.B. „AMB Allfinanz Makler“ zu besprechen.