Die Belastungen deutscher Kfz-Versicherer durch Wildunfälle haben auch im Jahr 2024 ein neues Rekordniveau erreicht. Bereits 2023 überschritten die gezahlten Schadenleistungen erstmals die Marke von einer Milliarde Euro – ein historischer Wendepunkt. Nach aktuellen Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat sich dieser Trend im Jahr 2024 weiter verschärft: Die Versicherer kamen für Schäden in Höhe von rund 1,133 Milliarden Euro auf.
Das entspricht einer Zunahme von 48 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr und nahezu einer Verdopplung der Aufwendungen im Vergleich zu 2014. Damit gehören Wildunfälle weiterhin zu den kostenintensivsten Schadenereignissen im deutschen Straßenverkehr.
Die Ursachen für diesen kontinuierlichen Kostenanstieg liegen laut GDV jedoch weniger in einer steigenden Zahl von Wildunfällen, sondern vielmehr in den rasant gestiegenen Reparatur- und Ersatzteilpreisen. Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Verbands, weist darauf hin, dass Versicherer mittlerweile durchschnittlich rund drei Millionen Euro pro Tag für Wildunfallschäden auskehren.
Besonders deutlich wird die Entwicklung bei der durchschnittlichen Schadenhöhe: Diese stieg 2024 von 3.850 Euro auf etwa 4.100 Euro pro Fall – ein Plus, das vor allem auf die teurer gewordenen Ersatzteile, komplexere Fahrzeugtechnik und höhere Werkstattkosten zurückzuführen ist.
Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass die Zahl der gemeldeten Wildunfälle nicht ansteigt, sondern seit Jahren auf einem relativ stabilen Niveau verharrt. Im Vergleich zu 2023 sank die Anzahl der registrierten Zusammenstöße mit Wildtieren im Jahr 2024 sogar um rund 6.000 auf etwa 276.000 Fälle. Damit zeigt sich ein klares Muster: Weniger Schäden, aber deutlich höhere Kosten pro Schadenfall.
Moderne Fahrzeugtechnologien wie Fahrassistenzsysteme und empfindliche Sensorik tragen dazu bei, dass Reparaturen aufwendiger werden und beschädigte Bauteile häufig komplett ersetzt werden müssen – was die Gesamtkosten in die Höhe treibt.
Auch jahreszeitlich betrachtet gibt es typische Phasen mit erhöhter Gefährdung. Der GDV weist darauf hin, dass das Risiko eines Wildunfalls in den letzten drei Monaten des Jahres deutlich über dem Durchschnitt liegt, wenngleich die absolute Spitzenzeit im April und Mai zu verzeichnen ist. In der Herbstdämmerung – insbesondere bei frühen Sonnenuntergängen und morgendlichem Nebel – sind Reh, Hirsch oder Wildschwein besonders aktiv. Die schlechteren Sichtverhältnisse verschärfen die Gefahr zusätzlich.
Autofahrer sollten daher gerade in den dunkleren Monaten besondere Vorsicht walten lassen. Empfehlenswert sind eine angepasste Geschwindigkeit in Waldgebieten, erhöhte Aufmerksamkeit an bekannten Wildwechselstellen sowie eine vorausschauende Fahrweise, insbesondere in der Dämmerung. Weitere Sicherheitsaspekte betreffen das richtige Verhalten im Ernstfall: Bei plötzlich auftauchendem Wild ist starkes Abbremsen meist sinnvoller als Ausweichmanöver, da Letztere oft zu schwereren Folgeunfällen führen.
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen nicht nur die hohe wirtschaftliche Belastung für Versicherer, sondern auch die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen im Straßenverkehr. Dazu gehören Wildschutzzäune, Wildwarnreflektoren, bessere Beleuchtungssituationen sowie eine verstärkte Sensibilisierung der Autofahrer. Für die Versicherungsbranche spielt außerdem die Weiterentwicklung moderner Tarife eine Rolle, die das individuelle Risiko sowie regionale Besonderheiten besser abbilden können.
Insgesamt zeichnen die GDV-Daten ein klares Bild: Das Risiko eines Wildunfalls bleibt trotz stagnierender Fallzahlen ein relevanter Kostenfaktor im Straßenverkehr – und wird durch steigende Reparaturkosten weiter verstärkt. Aufmerksamkeit, Vorsorge und eine realistische Einschätzung der Gefahren sind daher für alle Verkehrsteilnehmer unerlässlich.
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Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich informativen Zwecken und ersetzt keine professionelle Beratung. Es wird empfohlen, individuelle Versicherungsbedürfnisse mit einem qualifizierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler wie z.B. „AMB Allfinanz Makler“ zu besprechen.
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