Kapitalanlage-Immobilie vom Influencer vermitteln lassen? Heikle Idee!

Ende 2024 wurde bekannt, dass der bekannte Influencer „Immo Tommy“ alias Tomislav Primorac
manchen Followern teure Schrottimmobilien vermittelt hatte. Während er aktuell an seinem
Comeback arbeitet, lebt sein Geschäftsmodell offenbar fort: Das Nachrichtenmagazin „Der
Spiegel“ berichtet, dass einige der früheren „Immo Tommy“-Kooperationspartner ungebremst
weiter Kapitalanlage-Immobilien vermitteln und dabei die Hand weit aufhalten.

Die Masche ist dieselbe geblieben: Über Social Media wird behauptet, jeder könne quasi ohne
Kapitaleinsatz mit Immobilien schnell und bequem reich werden. Den „Beweis“ dafür erbringen
die Influencer schamloserweise selbst, indem sie ihren luxuriösen Lebensstil zur Schau stellen.
So taucht einer der Beteiligten in einer ProSieben-Doku auf, die seinen Weg aus einfachen
Verhältnissen zum Multimillionär nachzeichnet – unter anderem im Bugatti, im Privatjet und im
Hubschrauber über Monaco.

Das Geld dafür stammt offensichtlich von arglosen Investoren, die sich von den Influencern an dubiose Immobilien- und Kreditvermittler verweisen lassen. Im Gegenzug für ein angebliches „Rundum-sorglos-Paket“ zweigen diese vom Kaufpreis immense Summen für sich ab – in einem belegten Fall beispielsweise 325.000 Euro von einem Gesamtpreis von 865.000 Euro. Dass die damit völlig überteuerten Immobilien für die Käufer
zum Verlustgeschäft werden, ist vorprogrammiert.

Die beschriebenen Vorgänge zeigen, wie stark soziale Medien als Vertriebsplattform für komplexe Finanzprodukte genutzt werden. Immobilieninvestments werden dabei bewusst vereinfacht dargestellt und als nahezu risikofreie Abkürzung zum Vermögensaufbau inszeniert. Fachliche Prüfung, Standortanalyse oder realistische Renditekalkulation spielen in der öffentlichen Darstellung kaum eine Rolle. Stattdessen dominieren Emotionen, Statussymbole und Erfolgsgeschichten.

Ein zentrales Problem liegt in der fehlenden Transparenz der Kostenstruktur. Hohe Innenprovisionen, verdeckte Vermittlungsgebühren und aufgeblähte Kaufpreise werden häufig nicht offen kommuniziert. Für Anleger ist kaum nachvollziehbar, welcher Anteil tatsächlich in die Immobilie fließt und welcher in Vertriebsvergütungen. Dadurch wird die Wirtschaftlichkeit des Investments systematisch verzerrt.

Besonders riskant ist die Kombination aus überteuerten Objekten und langfristigen Kreditverpflichtungen. Wird die Immobilie zu einem deutlich über dem Marktwert liegenden Preis erworben, entstehen sofort negative Eigenkapitalpositionen. Sinkende Mieteinnahmen, Leerstand oder steigende Zinsen verschärfen die Lage zusätzlich. Für viele Käufer wird aus dem vermeintlichen Vermögensaufbau eine dauerhafte finanzielle Belastung.

Hinzu kommt die psychologische Komponente. Influencer schaffen durch gezielte Selbstdarstellung Vertrauen und Nähe zu ihrer Community. Luxusinszenierungen und Erfolgsgeschichten wirken als soziale Bestätigung und überdecken kritische Nachfragen. Gerade junge oder finanzunerfahrene Personen sind anfällig für solche Narrative.

Rechtlich bewegen sich viele Konstruktionen in Grauzonen. Die Vermittlung erfolgt häufig über mehrere Ebenen, sodass Verantwortlichkeiten schwer nachzuvollziehen sind. Im Streitfall ist es für Geschädigte oft kompliziert, Ansprüche durchzusetzen. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Regulierung digitaler Finanzwerbung mit der Dynamik sozialer Medien kaum Schritt hält.

Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen, wie wichtig unabhängige Beratung und sorgfältige Prüfung bei Kapitalanlage-Immobilien sind. Standortqualität, realistische Mietprognosen, Marktpreise und transparente Finanzierungskonditionen bilden die Grundlage jeder seriösen Investitionsentscheidung. Ohne fundierte Analyse kann das Versprechen vom schnellen Reichtum rasch in eine langfristige Schuldenfalle münden.

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Hinweis: Dieser Artikel dient lediglich informativen Zwecken und ersetzt keine professionelle Beratung. Es wird empfohlen, individuelle Versicherungsbedürfnisse mit einem qualifizierten Versicherungsberater oder Versicherungsmakler wie z.B. „AMB Allfinanz Makler“ zu besprechen.