Die allgemeine Preissteigerung dürfte nach Einschätzung der auf Versicherungen spezialisierten Ratingagentur Assekurata auch auf die Prämien in der Kfz-Versicherung durchschlagen. Zwar ist die Zahl der Schäden seit Pandemiebeginn – durch Lockdowns, Reisebeschränkungen und vor allem Homeoffice – zurückgegangen, doch die durchschnittlichen Reparaturkosten steigen seit vielen Jahren rasant an.

Ausschlaggebend ist vor allem die Teuerung von Ersatzteilen, die weit über der allgemeinen Preissteigerung liegt. Betrug diese zwischen 2013 und 2021 insgesamt 13 Prozent, so legten die Preise für Kfz-Ersatzteile im selben Zeitraum um 44 Prozent zu. Noch mehr waren es beispielsweise bei Rückleuchten (67 Prozent) und Kofferraumklappen (60).

Angesichts der aktuellen Lieferkettenprobleme und der galoppierenden Inflation müssen sich Kfz-Halter also nach Assekurata-Einschätzung auf unangenehme Nachrichten zum Jahresende gefasst machen. Ein Wechsel des Anbieters bzw. Tarifs ist noch bis zum 30. November möglich und kann sich merklich auszahlen. Doch Vorsicht: Die gängigen Online-Vergleichsrechner bilden jeweils nur einen Ausschnitt der verfügbaren Angebote ab.

Die Kfz-Versicherungsprämien stehen seit 2024 und verstärkt auch 2025 und 2026 spürbar unter dem Einfluss der Inflation, was für viele Autofahrer zu deutlich höheren Beiträgen führt und den Versicherungsmarkt nachhaltig verändert. Steigende Kosten entlang der gesamten Schadenkette wirken sich unmittelbar auf die Prämienkalkulation der Versicherer aus. Reparaturen sind teurer geworden, weil Ersatzteile knapp, aufwendiger in der Herstellung und stärker von globalen Lieferketten abhängig sind.

Gleichzeitig steigen die Stundenverrechnungssätze in Werkstätten kontinuierlich an, da Energie-, Personal- und Mietkosten zulegen. Moderne Fahrzeuge mit komplexer Sensorik, Assistenzsystemen und Elektronik verursachen selbst bei kleineren Schäden hohe Reparaturkosten, was insbesondere in der Kaskoversicherung zu einer deutlichen Zunahme der durchschnittlichen Schadenhöhe führt.

Auch die Zahl der Totalschäden nimmt zu, weil Reparaturen wirtschaftlich schneller an ihre Grenzen stoßen. Diese Entwicklung zwingt Versicherer dazu, ihre Tarife anzupassen, um langfristig leistungsfähig zu bleiben und Schadenleistungen zuverlässig erbringen zu können.

Hinzu kommt, dass sich auch die Schadenhäufigkeit verändert. Der Straßenverkehr wird dichter, Fahrzeuge sind leistungsstärker, Ablenkung durch digitale Endgeräte nimmt zu, und gleichzeitig steigt der Anteil älterer Verkehrsteilnehmer. All diese Faktoren erhöhen das Unfallrisiko und wirken sich auf die Schadenstatistiken aus. In der Haftpflichtversicherung schlagen insbesondere höhere Personenschäden zu Buche, da medizinische Behandlungen, Reha-Maßnahmen und langfristige Folgekosten inflationsbedingt deutlich teurer geworden sind.

Diese Kosten wirken sich nicht nur kurzfristig, sondern über Jahre hinweg auf die Schadenreserven der Versicherer aus. Parallel dazu steigen auch die Verwaltungskosten der Versicherungsunternehmen, etwa durch IT-Investitionen, regulatorische Anforderungen und erhöhte Personalkosten, was ebenfalls in die Prämien einfließt.

Für Versicherungsnehmer bedeutet diese Entwicklung, dass Beitragsanpassungen nicht zwangsläufig Ausdruck individueller Risiken sind, sondern häufig marktweit erfolgen. Selbst schadenfreie Fahrer können von deutlichen Beitragserhöhungen betroffen sein, wenn sich die allgemeine Kostenstruktur verschlechtert. Umso wichtiger wird es, die eigene Kfz-Versicherung regelmäßig zu überprüfen und aktiv zu steuern.

Faktoren wie Selbstbeteiligung, jährliche oder monatliche Zahlweise, Werkstattbindung oder die Anpassung von Zusatzbausteinen können einen erheblichen Einfluss auf den Beitrag haben. Auch der Wechsel des Versicherers kann sinnvoll sein, da die Preisanpassungen unterschiedlich stark ausfallen und neue Tarife oft moderner kalkuliert sind. Gleichzeitig gewinnen Telematik-Tarife, fahrleistungsabhängige Modelle und digitale Schadenservices an Bedeutung, da sie Versicherern ermöglichen, Risiken individueller zu bewerten und Kunden mit sicherem Fahrverhalten zu belohnen.

Darüber hinaus verändert die Inflation auch das Verhältnis zwischen Preis und Leistung. Günstige Tarife mit eingeschränkten Leistungen können sich im Schadenfall als nachteilig erweisen, wenn beispielsweise Ersatzteile nur in begrenztem Umfang erstattet, Werkstattkosten gedeckelt oder Wertminderungen nicht berücksichtigt werden. Verbraucher müssen daher stärker abwägen, ob kurzfristige Beitragseinsparungen langfristig zu finanziellen Nachteilen führen können. Eine leistungsstarke Kfz-Versicherung mit klar definierten Bedingungen, ausreichenden Deckungssummen und transparenter Schadenregulierung gewinnt in diesem Umfeld an Wert.

Auch Zusatzleistungen wie Mobilitätsgarantien, Schutzbriefe oder erweiterte Neuwert- und Kaufpreisentschädigungen spielen eine größere Rolle, da sie im Ernstfall erhebliche Zusatzkosten abfedern können.

Insgesamt zeigt sich, dass die Inflation den Kfz-Versicherungsmarkt nachhaltig prägt und sowohl Versicherer als auch Versicherungsnehmer zu Anpassungen zwingt. Während Unternehmen ihre Tarife neu kalkulieren und Risiken strenger bewerten, sind Autofahrer gefordert, ihre Absicherung bewusster zu gestalten, regelmäßig zu vergleichen und nicht allein auf den Preis zu achten.

Die Kfz-Versicherung entwickelt sich damit immer stärker von einem reinen Pflichtprodukt zu einem aktiv zu steuernden Bestandteil der persönlichen Finanz- und Mobilitätsplanung.